Wem gehört die Welt?

05 Jul Wem gehört die Welt?

Nicht erst seit dem Wirtschafts-Nobelpreis für Elinor Ostrom im Jahr 2009 sind Gemeingüter in aller Munde. Die vor kurzem verstorbene US-Forscherin ist mit Leidenschaft der Frage nachgegangen, wie sich knappe Ressourcen am besten verteilen lassen. Auch in der Diskussion um Alternativen bzw. die Weiterentwicklung des aktuellen Wirtschaftsmodells fällt immer häufiger der Begriff der Commons. Erblüht da ein neues WIR-tschaften, eine Ökonomie des Teilens?


Jonas Frankki

Vermeintliche Gemeingüter wie Wasser und Wissen, Erbgut und Atmosphäre werden zunehmend privatisiert. Die Welt wird eingezäunt, Güter der allgemeinen Verfügung entzogen und bleiben so einer Minderheit vorbehalten. Die Rodung von Regenwäldern, unzureichende Trinkwasserversorgung und fehlender Zugang zu neuen Technologien in großen Teilen der Erde zeigen, dass wir ein Umdenken brauchen.

Wir sind gerade über eine gute Einführung der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema gestolpert – „Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen“. Am Beispiel Liegestühle auf einem Kreuzfahrtschiff wird erklärt, was Gemeingüter sind und was sie von privaten und öffentlichen Gütern unterscheidet: Es gibt zwar weniger Stühle als Passagiere auf einem Schiff, doch solange sich alle abwechseln wird jeder für eine Weile Sonne tanken können. Sobald eine Gruppe aber beginnt, sich auf den Liegen dauerhaft breit zu machen, bleibt das grundsätzlich allen zugängliche Gemeingut nur einer Minderheit vorbehalten. Um ein dauerhaftes Miteinander zu ermöglichen bedarf es also klarer Nutzungsrechte und ihrer Einhaltung für eine gelingende Gemeinschaft.

Warum es ohne Regeln für Allmende-Güter nicht funktionieren kann, wird am Beispiel Überfischung deutlich: Jeder Fischer ist sich bewusst, dass er ohne Fische im Meer seinen Job nicht machen kann – und doch fährt er jeden Morgen mit möglichst vielen Booten hinaus, denn was nicht in seinen eigenen Netzen landet, schnappt sich die Konkurrenz.

Elinor Ostrom hat nach Lösungsansätzen geforscht, wie die Übernutzung von Ressourcen vermieden werden kann und ist dafür um die Welt gereist – unter anderem auch zu Fischern. In der Türkei haben Fischer sich in einer Kooperative jeweils einen bestimmten Meeresabschnitt zugeteilt, die aufgrund der unterschiedlichen Attraktivität der Bereiche rotieren, so dass jeder faire Bedingungen erhält. Die Fischer kontrollieren sich dabei gegenseitig. Ostrom kam nicht nur aufgrund dieses Beispiels zu der Erkenntnis, dass weder der Staat noch der Markt, wie viele ihrer Kollegen behaupten, die besten Ergebnisse liefern. Oft kennen eben die Menschen vor Ort die besten Lösungen für ihre ganz individuellen Probleme.