Urbanes Gärtnern

22 Feb Urbanes Gärtnern

Schon Kurt Tucholsky zeichnete in seinem Gedicht „Ideal“ die Sehnsucht nach grünen Städten auf, in denen man trotz ihrer Größe nicht den Bezug zur Natur verlieren muss…


Illustration: Jonas Frankki

Dort formt er 1927 die Zeilen „Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn – aber abends zum Kino hast dus nicht weit. „

Das „Urban Gardening“ fasst zusammen, wie Stadtbewohner ihren Lebensraum neu entdecken, indem sie dort Obst und Gemüse anbauen. Denn Städte bieten viele ungenutzte Anbauflächen. So wird ein Dach oder ein Hinterhof zum Salat-, Tomaten oder Gurkenanbaugebiet. Aber auch städtische Abrissflächen können umfunktioniert werden, indem Menschen dort Beete und kleine grüne Äcker, statt langweiligen Teerböden, anlegen.

 

Diverse Bücher und der Blog ghosttownfarm machten die Bewegung des Urban Gardening groß. Dort liegt der Fokus darauf, dass auch oder gerade der öffentliche Raum ein Lebensraum für Menschen und Natur ist und dass die Menschen dort ebenfalls nicht ohne den Einbezug der Natur leben wollen. So enstand zum Beispiel auch das  Guerilla Gardening: Eine Protestform gegen eine behördliche Stadtplanung, die für die Natur keinen Raum in der Stadt zur Verfügung stellt. Kritisiert wird, dass statt auf dei Natur viel mehr die Mobilität in den Vordergrund gestellt wird und zu viel Platz geschaffen wurde für eine relativ menschenverachtene Ökonomie.

Gerade in der Stadtbevölkerung wächst eine Sensibilisierung für nachhaltige Produkte. Viele Menschen wünschen sich eine Rückkehr zum Leben in Kooperation mit der Natur und mehr Kontrolle über ihre Ernährung. Einfach nur ein paar Geldscheine für Gemüse und Co hinzublättern, ohne zu wissen, woher die Nahrung stammt, sorgt für Unmut und sorgt für weniger Lebensqualität. Zahlreiche Beispiele in Berlin sowie in anderen Städten zeigen eine steigende Beliebtheit von Projektgärten auf. Diese fördern nicht nur aktiv die Gemeinschaft in den Kiezen oder der Nachbarschaft, sondern helfen den Bewohner auch in Sachen Integration und multikulturellem Austausch.

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