Protest Street

14 Okt Protest Street


David Shankbone

Ein Hauch Revolution weht durch die amerikanischen Straßen. Die berühmteste Handelsstraße der Welt, die Wall Street, ist jetzt schon seit Mitte September von aufgebrachten Bürgern besetzt. Die Demonstranten, die sich ‚Occupy Wall Street’ nennen und für soziale Gerechtigkeit kämpfen, haben genug von der Gier und der Zügelosigkeit der Börsianer. Es hat lange gedauert, doch jetzt wollen viele Betroffene der Finanzkrise ihrem Ärger eine Stimme geben. Damit hat eine handvoll Nordamerikaner eine unglaubliche Solidaritätswelle losgetreten.


Svilen.milev

Inspiriert fühlen sich die Occupy Wall Street-Demonstranten nicht zuletzt durch ihre revolutionären Vorgänger des Arabischen Frühlings, die ebenso stark Soziale Netzwerke nutzten (von Twitter über Livestreams) um Gleichgesinnte und die Außenwelt auf dem neusten Revolutionsstand zu halten. Außerdem wurde ein Blog mit persönlichen Schilderungen von den Lebensumständen der Betroffen der Wirtschaftskrise online gestellt, der unter dem Motto ‚We are the 99 percent‚ ins Leben gerufen wurde. Die Kritik richtet sich gegen den unverhältnismäßigen Einfluss der reichsten Amerikaner (circa 1%) auf die Politik und Gesetzgebung sowie eine zu banken- und wirtschaftsfreundliche Politik, welche der 99% weniger reichen Bevölkerungsgruppe gegenüber stehen. Dies ist völlig absurd und soll durch eine längerfristige Belagerung der Wall Street zu Veränderungen geführt werden.

Auch die Koordinierung der Proteste im New Yorker Zuccotti Park wird über soziale Internetforen geführt, dafür gibt es eine eigene  Homepage. Die Protest-Bewegung (Video) erhält alle möglichen Spenden, von Geld über Not-Hilfsmittel, wie Verbandszeug und Naturalien. Ebenso viel Unterstützung findet auf den Straßen der New Yorker Metropole statt, unter anderem von Regisseur Michael Moore und weiteren populären Aktivisten. Am 1. Oktober erschien das eigene, vierseitige Occupy Wall Street Journal (Auflage 50000 Stück), welches auf der Huffington Post Homepage abgebildet wurde.

Mittlerweile gibt es in zahlreichen anderen amerikanischen Städten Solidaritätsbewegungen und es wird auch an anderen Orten gestreikt, was auf der Homepage der Occupy Together Homepage nachzuverfolgen ist. Am 15.10 rufen die Aktivisten, wie Attac und weitere zu einem globalen Veränderungstag auf. Sie wollen eine Stimme haben, diese Stimme soll weder Politikern noch Banker gehören, sondern von Menschen sein, die diese Machtverhältnisse grundsätzlich in Frage stellen. Warum sie zum Beispiel in Frankfurt vor der heftig kritisierten Europäischen Zentralbank protestieren und was ihre Forderungen sind, ist hier nachzulesen

Über die Occupy Wall Street-Bewegung wird in der ganzen USA diskutiert, auch Präsident Obama musste sich diesbezüglich äußern. Und schon wird die Occupy Wall Street-Bewegung als linke Version zur Tea Party-Bewegung gehandelt. Was unschwer zu erkennen ist: Es findet ein Umdenkprozess in den USA statt- hoffentlich in eine nachhaltigere, weniger spekulative Zukunftsrichtung. Man darf gespannt sein, wies es weitergeht…