Natürliches Modelgemüse

16 Mrz Natürliches Modelgemüse

Das ist unser Alltag: Nur scheinbar perfektes Gemüse und wunderschönes Obst aus aller Welt liegen in den Supermarktreihen. Aber schmeckt unser Gemüse und Obst eigentlich auch besser, wenn es beim Verzehr attraktiv aussieht?


Jonas Frankki

Im Schnitt geben deutsche Konsumenten nur rund ein Zehntel ihres Haushaltsetats für Nahrung aus. Und das in Discountern statt in Bioläden, also lieber für Masse als Klasse. Im europäischen Vergleich ist das deutlich weniger als unsere Nachbarn für ihre Mahlzeiten ausgeben. Biolebensmittel machen bisher nur knapp vier Prozent im deutschen Lebensmittelhandel aus.

Ist es nicht längst mal an der Zeit elementare Themen wie NahrungNatürlichkeit und die täglichen Inszenierungen im Supermarkt neu zu debattieren? Passend dazu gibt es eine Initiative die zum Kauf weniger schöner, aber ebenso gesunder Lebensmittel rät: Die Culinary Misfits. Ihre Botschaft: Natürlich dürfen Gemüse und Obst Beulen und äußerliche Fehler wie Flecken haben, denn diese tun dem Geschmackserlebnis keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, sie sind häufig noch gesünder und leckerer.

Der Supermarkt scheint zum Laufsteg für akkurates Gemüse und Obst mit Modelmaßen geworden zu sein, dabei weiß doch jedes Kind, dass es in der Natur keine Einheitsformen gibt. Kein Lebewesen gleicht dem anderen. Das wird auch kein Gesetz ändern, eher bringen unsere übersteigerten Ansprüche uns noch weiter weg von der Natürlichkeit.

Ein Mensch mit Ecken und Kanten gilt als interessant, warum nicht mal sein eigenes Essen auf diese Weise neu entdecken? Denn die volkstümliche Weisheit ‚Du bist, was du isst‘ kommt nicht von ungefähr. Was wir brauchen, ist eine kontinuierliche Debatte über Nahrung. Gutes muss auch etwas kosten dürfen und muss keine Modelqualitäten besitzen, sondern sollte zu allererst für Vitamine und Geschmack sorgen.

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.