Kreuzberger Demokratie: Eine Halle für alle

30 Sep Kreuzberger Demokratie: Eine Halle für alle

Am 1. Oktober 1891 wurde sie das erste Mal eröffnet: Die Markthalle IX in Berlin Kreuzberg. Gute 120 Jahre später, am 1. Oktober 2011 wird sie wiedereröffnet und zwar in ihrer ursprünglichen Markthallenfunktion. Jeden Freitag (12:00 bis 19:00) und Samstag (9:00 bis 16:00) findet der Wochenmarkt statt. Stufenweise soll die Erweiterung auf sechs Markttage in der Woche stattfinden. Dass das möglich ist, hat wesentlich mit dem politischen Engagement der Berliner Bürger und ihren Unterstützern zu tun. 


Markthalle 9

Vor allem aber auch mit den drei Investoren, die die Markthalle 9 zu dem gemacht, was sie heute ist: Volkswirt Nikolaus Driessen sowie die beiden Lebensmittelhändler Florian Niedermeyer und Bernd Maier, haben geschafft, was nicht für möglich gehalten wurde. Sie arbeiten seit mehreren Jahren daran, eine ‚Halle für alle’, für die Anwohner und für die Berliner und weniger für Discounter & Co zu gestalten. In vielen Gesprächen und Protestaktionen, kämpften und überzeugten sie mit vielen Unterstützern mit demokratischen Mitteln dafür, dass die Halle nicht zum höchsten Preis an willkürliche Investoren, sondern an die, mit den besten Konzept für die Gemeinschaft verkauft wird. Das stieß zum Glück nicht auf taube Ohren, sondern überzeugte viele Menschen im Rahmen eines ausgeschrieben Ideenwettbewerb. Jahr für Jahr werden die bisher ansässigen Großmarktgiganten ALDI, DROSPA, KIK und KAMPS weichen, um Platz für mehr kleinere Händler und Marktstände zu schaffen. Außerdem sollen vielfältige Kultur- und Freizeitangebote ebenfalls Teil des Markthalle-Konzepts sein. Auf guten 3100 Quadratmetern dürfte dieses Vorhaben wirklich kein Problem darstellen. Damit hauchen sie der ‚Halle für alle’ endlich wieder Leben ein.


Wikimedia Commons, Agriculture Research

Am 1. Oktober beginnt nun das neue Leben in der Markthalle. Mit 30 Marktständen mit Lebensmittel am besten bio und aus der Region. Das Obst und Gemüse stammt aus Werder, Ziegenkäse aus Ogrosen im Spreewald und das Brot kommt ganz nah aus Kreuzberg von Soluna. Aber auch Torten von einer süddeutschen Konditorin. Stände haben die Fleischerei Bauch aus Zehlendorf, die Weinhandlung Suff aus Kreuzberg. Fisch kommt vom Händler Ingo Apelt aus dem Harz. Lebensmittel mit Herkunftsverweis- nachvollziehbar, wie bei den Gemüse und Obst Kisten, die man sich seit einiger Zeit liefern lassen kann. Mit der Eröffnung der denkmalgeschützen Halle werden auch die bundesweiten ‚Geschmackstage‚ (vom 1. bis 9. Oktober) zum vierten Mal in Folge stattfinden. Der Schwerpunkt der Aktionstage liegt dabei in diesem Jahr auf der regionalen Küche und Esskultur.


Wikimedia Commons, Joel Suganth

Die kommenden Jahre werden ein Ausprobieren und Erfahrungen sammeln für die drei von der Markthalle und ihre Händler. Erst wenn sich der Markt in der Markthalle etabliert hat, sollen feste Stände installiert werden. Umbauten wird das Berliner Architekturbüro Raumlabor vornehmen.

Die alten Lichthöfe, bisher verborgen, werden zugänglich. Stolze 2,5 Millionen Euro wollen die neuen Eigentümer in den kommenden fünf Jahren investieren, um die technische Ausstattung zu erneuern, Brandschutzbedingungen zu erfüllen, das Dach zu reparieren und was noch so anfällt. Anbauten der jüngeren Vergangenheit sind schon entfernt worden. Dadurch ist ein Deckengewölbe am Eingang sichtbar geworden und nostalgische Rollgitter vor den Ständen in der Halle aus den Anfangsjahren. Weil Driessen, Niedermeyer und Maier die Halle noch nicht so gut kennen, vertrauen sie denen, die dort schon lange zu Hause sind: wie etwa dem langjährigen Hausmeister Mehmet Bingül, der den Dreien zu Seite steht.


Wikimedia Commons, Lienhard Schulz