Grüner Plattenbau

29 Feb Grüner Plattenbau

Immer mehr Plattenbausiedlungen stehen leer, denn viele Mieter haben die alten Luxuskästen gegen schickere Häuser oder Gegenden eingetauscht. Aber was soll aus ihnen werden? Immer mehr private und staatliche Initiativen kümmern sich um deren Wiederverwertung, mit erstaunlichen Ideen…


Illustration: Justine Göhrke

Den Luxusstatus, der in der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt wurde, haben Plattenbauten schon lange nicht mehr. Renovieren ist teuer, die Kommunenkassen sind leerer als leer, deswegen wird der Plattenbau häufig einfach nur dem Erdboden gleichgemacht. Eine andere Möglichkeit, sich des Leerstands zu erwehren und gleichzeitig die Attraktivität der Plattenbausiedlungen zu erhöhen, ist der so genannte Rückbau.

Er wird am Häufigsten angewendet. Einzelne Blöcke werden abgerissen und stattdessen Grünflächen wie Wälder und Spielplätze angelegt. In anderen Fällen werden einzelne Etagen der Häuser abgetragen. So wird etwa aus einem monotonen zehngeschossigen Hochhaus ein lediglich vier Etagen hohes Haus mit Terrassen und Dachgärten. Der Umbau des Viertels der zurückgebauten „Ahrensfelder Terrassen“ war das erste große Berliner Modellprojekt im Rahmen des Stadtumbaus Ost.

Ein weiteres Erfolgsprojekt ist das traditionsreiche Luther-Melanchton-Gymnasium in Wittenberg, welches dem 1975 gebauten Plattenbau Typ Erfurt II entspricht. Im Kunstunterricht der Schule entwickelten Schüler mit ihren Lehrern Verschönerungsideen für das Gebäude und reichten sie an eine sehr bekannte Adresse ein: Der Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser nahm sich des Projekts an und machte aus dem tristen Plattenbau einen märchenhaften Blickfang. Ebenso planen Städte wie beispielsweise Schwerin bis 2020 den Rückbau von bis zu 3.700 Wohnungen, insgesamt bezifferte das Amt für Stadtentwicklung im Frühjahr 2011 knapp 7.000 leerstehenden Wohnungen.

Das Dramatische ist, dass durch den demografischen Wandel im östlichen Teil Deutschlands die Plattenbauten für die Kommunen zu einem schwierigen und kostspieligen Erbe der DDR geworden sind. Der Bevölkerungsschwund und die Diskussion über den Fortbestand der Plattenbauten werden sich noch etliche Jahre fortsetzen. Jetzt ist nur noch weiterhin Kreativität gefragt.

 

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