Gemeinwohlökonomie – Karma oder Koma?

01 Jun Gemeinwohlökonomie – Karma oder Koma?

Seid gegrüßt von der Karma Konsum Konferenz. Nicht nur in Frankfurt dreht sich in diesen Tagen alles um: Gemeinwohl und „einen Paradigmenwechsel in Ökonomie und Gesellschaft.“ Werden da etwa selbst beim größten deutschen Lohas-Treff die Stimmen lauter, dass grüner Konsum allein die Wende nicht schaffen kann?


Jonas Frankki

Die Sehnsucht nach mehr Solidarität und gemeinschaftlichen Werten in der Gesellschaft wird stärker: aktuell wünschen sich 88% der Deutschen eine neue Wirtschaftsordnung. Das verwundert nicht, driftet doch die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander und verdienen 10% der Deutschen mit den höchsten Einkommen laut OECD (Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent.

Gemeinwohl also. Ein derzeit prominentes Modell trägt diesen Begriff gleich im Namen: Die Gemeinwohl-Ökonomie. Begründet von dem yoga-praktizierenden, ATTAC-Österreich mitbegründenden Hochschulprofessor Christian Felber aus der Schweiz findet dieses Modell aktuell wachsenden Zuspruch. Schon mehrere hundert Unternehmen nehmen am partizipativen Prozess teil und pflichten den Grundwerten „Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen“ bei. Gelingende Beziehungen sind es laut Felber, die Menschen am glücklichsten machen und dieses Prinzip versucht die Gemeinwohlökonomie auf die Wirtschaftsebene zu übertragen. Die sinnwerkstatt ist bereits in den Kreis registrierter Unternehmen aufgenommen und nahm bereits an einem Workshop zur Erstellung einer Gemeinwohlbilanz teil. Eine solche Bilanz erfasst nicht mehr nur harte monetäre Kerndaten eines Unternehmens sondern verlegt den Fokus auf u.a. Zufriedenheit der Mitarbeiter, ökologische Maßnahmen und Partizipation in Entscheidungsprozessen.

Ob sich genügend Unternehmen solchen und weiteren Initiativen anschließen und damit eine kritische Masse erreicht wird bleibt abzuwarten. Und auch die Durchschlagskraft muss kritisch hinterfragt werden: vielen (wie dem Social Innovation Network in diesem Artikel) geht auch die Gemeinwohlökonomie nicht weit genug; sie halten sie für utopische Träumerei einer kleinen Gruppe von Unternehmen, die jedoch weiterhin an marktwirtschaftlichen Prinzipien festhält.

Träumerei hin oder her. Mutige, kreative Ansätze braucht die Welt. Der Dialog zwischen Initiatoren und Bürgern wird zeigen, ob die vielen kleinen Schritte hin zu Partizipation, Kooperation und generell mehr Menschlichkeit in der Wirtschaft einen hoffnungsvollen Fortschritt oder doch einen Stillstand im Sinne eines Manifestieren der bestehenden (Markt-)Spielregeln bedeuten.