Gemeinwohl statt Alleinwohl

29 Apr Gemeinwohl statt Alleinwohl

Ist es fair, wenn alle Mitarbeiter_innen gleich viel verdienen? Wieviel Mitbestimmung verträgt eine GmbH? Was macht eine Medienagentur ökologisch? Diesen und vielen anderen Fragen haben wir uns bei einer unabhängigen Prüfung durch die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) gestellt. Das Ergebnis ist eine Geweinwohl-Bilanz mit beachtlichen 591 von 1000 möglichen Punkten. Damit sind wir schonmal ziemlich gut unterwegs und haben aufgedeckt, wo wir noch besser werden können.

Die Gemeinwohl-Bilanz legt unsere Stärken und Schwächen offen, und zeigt wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Sie spiegelt die fünf grundlegenden menschlichen Werte (laut GWÖ) an den Berührungsgruppen eines Unternehmens und kommt so auf 17 einzelne Indikatoren, die ausgewertet und in einem Testat zusammengefasst werden.

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Wir freuen uns über die überdurchschnittliche Gesamtbewertung – mit 9 von 17 Indikatoren liegen wir im „vorbildlichen“ Bereich!

Überraschend war für uns vor allem, dass wir bei sozialen Themen viel besser aufgestellt sind, als wir dachten. Die Highlights:

  • Wir haben regelmäßige Treffen etabliert für den Austausch über Herausforderungen in laufenden Projekten, persönliches Befinden, Geselligkeit und Feiern. Zudem bieten wir ein faires Arbeitszeit- und Gehaltsmodell, das den individuellen Lebensumständen gerecht wird.
  • Wir arbeiten konsequent nur für die Guten. Zweifelhafte Kunden und Anfragen prüfen wir gemeinsam und lehnen sie ggf. begründet ab. Für Gemeinwohl-Unternehmen und Non-Profit-Organisationen bieten wir unsere Leistungen zu reduzierten Sätzen an.
  • Wir setzen auf wirkungsvolle Kooperationen für gesellschaftliche Veränderung. Um eine werte-orientierte Zusammenarbeit mit Partnern zu ermöglichen, haben wir im Bilanzierungszeitraum die Thinkfarm gegründet, Berlins erste öko-soziale Bürogemeinschaft.

Aber die Bilanz hat uns auch unsere Schwächen deutlich gemacht:

  • Überrascht hat uns vor allem unser schlechtes Abschneiden im Bereich ökologische Nachhaltigkeit. Dort sind wir zwar bereits sehr kreativ, haben jedoch versäumt unsere Aktivitäten messbar zu machen. Die Etablierung eines Umweltmanagementsystems (EMAS) wird demnach eine unserer herausforderndsten Zielsetzungen für die nächsten Jahre sein.
  • Betriebliche Transparenz haben wir bisher weitgehend intern umgesetzt, sind diesem Anspruch nach außen aber noch nicht gerecht geworden. Die GWÖ-Bilanz ist hier ein erster Schritt.
  • Das Gleiche gilt für die Mitbestimmung: In internen Arbeitskreisen können Mitarbeiter_innen mittlerweile unternehmerische Entscheidungen treffen. Kundenkreise und zivilgesellschaftliche Akteure haben bisher aber noch wenig Einblick und Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich unserer Unternehmenspolitik.

Wir nutzen den GWÖ-Bericht auch als Instrument für unsere Organisationsentwicklung: Indem wir einzelne Themen gezielt in offenen Arbeitskreisen bearbeiten, gehen wir die identifizierten Schwächen gezielt an. Außerdem entwickeln wir eine Online-App zur Gemeinwohl-Bilanzierung, um den Prozess der Berichterstattung künftig zu vereinfachen – für uns und für andere Unternehmen.