Entdecke Deine Region!

16 Sep Entdecke Deine Region!

Von Kolumnen über LOHAS und ihren Müll wird es in dieser Kolumne etwas herbstlicher. Die ersten Blätter fallen, es wird kälter und die Haut wird trockener. Umso mehr erfreut das Gemüt ein Herbstspaziergang im „Indian Sommer“ des Waldes, wenn man denn die Möglichkeit dazu hat.

Eigentlich ist der Sommer die Hauptreisezeit. Obwohl es in dieser Jahreszeit am schönsten in Deutschland ist, wünschen wir uns doch umso mehr im kalten Winter etwas Wärme zu spüren. Viele wollen der Kälte des Winters entkommen, oft durch einen Flug sowie Flucht ins Warme. Das mittlerweile überaus viele Menschen in die Ferne fliegen (oder in Zukunft fliegen sollen), sieht man an den steigenden Flug- und Reiseangeboten, wachsenden Anzahl von Reiseportalen mit schrumpfenden Preisen, bei steigenden CO2 Werten und eben gigantischen Bauprojekten wie der schon früh bestreikten Startbahn West, die jetzt im Nordwesten des Frankfurter Flughafen ausgebaut wurde: Schon damals kämpften 100.000 Menschen gegen 4000 Meter Beton: Was wahrscheinlich nur noch älteren Generationen bekannt ist: Die Demonstrationen gegen die Startbahn West in den achtziger Jahren waren ein Musterbeispiel friedlicher Protestkultur. Dann wurde die Bewegung abrupt zerschlagen – durch den Mord an zwei Polizeibeamten.

20 Jahre später hat dieser Schlag gegen die Menschenwürde und gegen die Demokratie nicht aufgehört. Die neue, 2011er Startbahn Nord-West, wird nach zahlreichen Waldrodungen und friedlichen Protesten im Frankfurter beziehungsweise Kelsterbacher Waldgebiet, pünktlich zum Herbstanfang am 21. Oktober von Angela Merkel eröffnet. Über dieses kuriose Abschiedsgeschenk freut sich nicht nur Roland Koch, der dieses Bauprojekt maßgeblich mit ebenfalls kuriosen Mitteln in die Wege geleitet hat, sondern auch alle zukünftigen Passagiere, Mitarbeiter des Flughafens und die Wirtschaft in der Region Rhein-Main.

Die Anwohner, Robin-Wood-Aktivisten, die monatelang Bäume besetzen, und andere Umweltschützer freuen sich weniger über diese weitere fragwürdige, zerstörerische kapitalistische Großerrungenschaft. Nicht, dass der Frankfurter Flughafen nicht schon groß genug wäre, nein er muss größer werden. Für Deutschland, für das Wirtschaftswunder für den unstillbaren Wachstum unserer westlichen Gesellschaft. Und noch was: Die Entwicklung von Bio-Kerosin steht laut Lufthansa kurz vor dem Durchbruch. Doch so wirklich glaubt noch keiner daran, dass fliegen grün ist oder in geringer Zukunft werden kann. Die Kosten tragen andere. Einen hochinteressanten Artikel dazu gibts hier.

Jetzt wurde erst mal eine neue Startbahn gebaut und die Fraport AG Frankfurt hofft auf eine wachsende Passagierzahl. Aber nicht nur in Frankfurt ist das Ärgernis groß, auch die Berliner Bewohner sorgen sich über ihre Flughäfen (mehr dazu hier). Dazu hat die taz eigenes eine Fluglärm-Messkarte eingerichtet, dort kann man in seiner Region eingeben und bekommt Angaben wie laut es werden wird. Dieses DATA-Journalismus-Experiment war übrigens ein enormer Erfolg für die taz, denn viele besorgte Berliner nutzen dieses Angebot um ihre persönlich Position im heutigen Flugwahnsinnskarussell einschätzen zu können.

In zehn Jahren hat sich allein im kleinen Flughafen Schönefeld die Passagierzahl von einer auf sieben Millionen Menschen versiebtfacht. Der Flughafen Tegel ist also nicht mehr groß und gut genug für die Regierenden, deswegen wird jetzt der Flughafen Schönefeld ihn toppen, damit noch mehr gestresste Berliner und Wahlberliner kommen und entfliehen können. Zwei-Tage-Kurztrip nach New York, why not? Die Zeit ist knapp, aber wieso eigentlich, wir haben doch unser ganzes Leben hoffentlich noch vor uns! Ein Flug von Berlin nach Leipzig, es muss nicht immer weit sein, aber schnell darf, nein muss, es dann doch sein. Dass man bei innerdeutschen Flügen doch dann oft die gleiche Zeit wie mit dem Zug oder Auto unterwegs ist fällt niemanden richtig auf.

Zu gern werden der Luxus von Einchecken, Sicherheitskontrolle und Boardingwarten und die häufigen Verspätungen auch im Flugverkehr durch Jet-Set Gefühle wettgemacht. Wer nicht fliegt ist nicht IN, sondern saust in der Holzklasse. Fliegen ist oft auch einfach billiger als ein Ticket der beliebten Deutschen Bahn. Umweltfreundliche Mitfahrgelegenheiten sind auch nicht mehr das was sie mal waren, schließlich will man nicht zum X-ten Mal erzählen was man beruflich macht oder nicht macht und wohin oder zur welchen Liebe man gerade unterwegs ist. Trampen ist im Individualreisen schwer im kommen, aber nicht für Jeden gemacht oder von jedem gewollt, besonders nicht für die, die sich nicht mal der „Mit freundlichen Grüßen“ anvertrauen. Was ist die Lösung? Nicht reisen oder mit dem Fahrrad durch den Wald fahren?

Oder seine Stadt/Land/Fluss neu entdecken lernen? Google Maps zum Welterkunden nutzen (mit der Empfehlung, dass man über den Atlantik per Jet-Ski laut Google fahren sollte? Das tut auch der Künstler Michael Wolf in seiner Ausstellung über Skurrilitäten bei Google Maps in der meist fotografiertesten Stadt überhaupt: Paris.

Dies kann eine Lösung sein, muss aber nicht!
Die Lösung heißt auf jeden Fall leider auch, sich zu verabschieden von dem Gedanken, dass man die Umwelt schützen kann und gleichzeitig um die Welt zu fliegen oder jede Semesterferien in andere Länder. Wieso bleibt man nicht erst mal im eigenen Land? Deswegen heute der empfehlenswerte Tipp: Entdeckt das Land der Dichter und Denker und begebt euch auf deren Spuren! Es lohnt sich diese Entdeckungsreise zu wagen, man ist überrascht, was man alles zu sehen bekommt… In die ferne Welt, kann man immer noch, wenn umweltfreundlichere Methoden zur Debatte stehen und das wird meinem optimistischen Gefühl nach, gar nicht mehr allzu lange dauern…wollen wir es hoffen!