Das Zeitalter des Zugangs

20 Jun Das Zeitalter des Zugangs

Neu ist die Idee des Teilens und Leihens ja nicht. Gemeinschaftliches Handeln und Konsumieren hat das Leben schon immer leichter gemacht. Die Schwierigkeit bestand nur bisher darin jemanden zu finden, der benötigt, was man selbst anbietet bzw. hat, was gerade gebraucht wird. Heute ermöglicht das die Verfügbarkeit von schnellen Internet-Zugängen, GPS-Navigation und Smartphones, so dass Tausch-Ringe und -Börsen nun auch einer breiten Masse zugänglich werden. Immer mehr Menschen verschaffen sich gegenseitig Zugang zu Raum, Zeit und Gegenständen.


Jonas Frankki

Da verabreden sich Großstädter zum Gemeinschaftsgärtnern, werden Swap-Partys zum Klamottentausch organisiert, Gegenstände per Givebox auf offener Straße getauscht und sogar der Deutschen Heiligtum, der eigene Wagen, wird der Öffentlichkeit zum Verleih angeboten. Die Bewegung hat bereits einen Namen – Collaborative Consumption, zu deutsch KoKonsum (kurz für kollaborativen Konsum). Auf dem Portal kokonsum.org soll es in naher Zukunft Informationen, redaktionelle Beiträge und Links zu Sharing-Plattformen im deutschsprachigen Raum geben. 

Neben dem technischen Fortschritt entsteht vor dem Hintergrund sozialer und ökologischer Krisen ein gewandeltes Bewusstsein von Konsumenten, denen der Zugang zu Gütern wichtiger ist als ihr Besitz. Gerade jüngere Menschen, wie Rachel Botsman in ihrem Buch „What’s Mine is (Y)ours: The Rise of the Collaborative Consumption“ fest stellt, wollen nicht die CD oder DVD im Regal, sie wollen den Track bzw. den Film – unabhängig vom Datenträger. Sie sehen ein, dass es wenig Sinn macht in jedem Haushalt Wasch- und Bohrmaschine zu haben, wenn man sie mit Nachbarn – ob im Mehrparteienhaus, im eigenen oder im nächsten Kiez – gemeinsam teilen kann. Verrückte Welt! – da bedarf es Onlinemedien, um seine Kiezmitbewohner mal offline, also ganz persönlich kennenzulernen?

Haben wir es hier mit Nachbarschaftshilfe 2.0 zu tun? Die Anreize zu teilen sind nicht immer und ausschließlich altruistischer Natur. Wer sein Auto auf einer privaten Carsharing-Seite anbietet, möchte evtl. einfach was dazu verdienen und bei den aktuellen Spritpreisen und Haltungskosten sein Konto schonen. Dass der Verzicht auf ein eigenes Auto einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Umwelt hat und soziale Gemeinschaft fördert, in dem vermehrt auf Carsharing und Mitfahrzentralen gesetzt wird, sind in jedem Fall willkommene Nebeneffekte.

Um die schöne neue Welt des Tauschens, Mietens und Leihens Realität werden zu lassen bedarf es wohl vor allem einem: Vertrauen. Von vielen wird (Online-)Reputation schon als Währung der Zukunft beschworen. „Technologie ermöglicht Vertrauen zwischen Fremden“, sagt US-Autorin Lisa Gansky („The Mesh. Why the Future of Business is Sharing“). Wer bei eBay bereits negative Kritik erhalten hat, weiß wie unangenehm das bei der nächsten Schnäppchenjagd sein kann.

Ist diese Hürde aber einmal überwunden, steht dem Teilen und Verleihen nichts mehr im Wege: etliche nutzerfreundliche Angebote sind jüngst ans Netz gegangen, viele von ihnen in den letzten Monaten, und warten auf Tauschwillige. Nichts, was sich nicht teilen lässt – Ist für euch nicht auch was dabei? Wir haben mal eine kleine Auswahl von deutschsprachigen Seiten zusammengestellt:

 

Unterkünfte vom WG-Zimmer zum Iglu bis zum Designerloft

 couchsurfing

 airbnb

 9flats

 

privates Carsharing + Mitfahrzentrale

 autonetzer

 tamyca

 mitfahrgelegenheit

 

Lebensmittel

 foodsharing – Übrig gebliebenes Essen mit der Nachbarschaft teilen

 meine ernte – Garten mieten und teilen

 

gemeinsame Aktivitäten

 gidsy.com

 spreet.it

 

Kleidung

 kleiderkreisel

 klamottentausch – Blog zu Klamottentauschpartys

 

Gegenstände, z.B. CD/DVD, Sport- und Fotoausrüstung und Werkzeug

 leihdirwas.de

 netcycler.de

 frents.com

 

In diesem Sinne, frohen AusTausch 🙂