CSR: Win-Win-Situation?

07 Okt CSR: Win-Win-Situation?

Drei magische Wörter: Corporate Social Responsibility. Kurz: CSR. CSR klingt erstmal durchweg positiv. Aber wirkt CSR auch magisch in der Wirtschaft, Gesellschaft oder auf der Welt? Wie immer kommt es natürlich auf die Taten und Visionen an! Leider ist CSR vielen Menschen noch immer kein präsenter Begriff. Corporate Social Responsibility ist nach wie vor ein Insiderthema, wird immer wieder in der Branche beklagt.


Heiko Trurnit

Die Europäische Kommission hat CSR schon definiert, im Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen für die Soziale Verantwortung der Unternehmen heißt es geschrieben: CSR gleich integriertes Unternehmenskonzept, das alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung beinhaltet, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinausgehen und die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern einbeziehen.Beispiele für CSR-Maßnahmen liefert die FH Koblenz:

  • Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz (z.B. Nachhaltigkeit, Energiesparmaßnahmen, CO2-Reduktion, Mülltrennung und -recycling)
  • Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit (Angebote zur Aus- und Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Chancengleichheit, Arbeitssicherheit und Gesundheit)
  • Umsetzung des Jugendschutzes (Verhaltenskodex, Internetzugangsbeschränkungen)
  • Engagement für die Gesellschaft und Wissenschaft (Stiftungen, Bildung, gesellschaftlicher Zusammenhalt)

CSR ist also ein Teil der geschäftlichen Strategie eines Unternehmens. Immer mehr Unternehmen setzen auf die Einführung von anerkannten CSR-Abteilungen oder -Aktionen. Aber auch NGO’s wie die Welthungerhilfe rät Unternehmen zu Spenden und freiwilligem Engagement und empfiehlt: „Tue Gutes und rede darüber“. Aber bleibt es dann nur bei einem finanziellen Ausgleich, Einzelaktionen oder folgen darauf auch wirtschaftliche und soziale Veränderungen?

Zumindest bei einigen Unternehmen sind Verbesserungen sichtbar. Sie schaffen eine Öffentlichkeit und öffentliche Debatte für Firmen und firmenübergreifende Probleme und versuchen dabei mit Hilfe der Öffentlichkeit Lösungen zu generieren.
In Deutschland sind neben anderen Unternehmen mittlerweile 20 der 30 deutschen DAX-Unternehmen praktizierende CSR-Unternehmen. CSR ist und bleibt freiwillig, es soll vorerst keine gesetzlichen Reglungen diesbezüglich geben, schon gar nicht unter der schwarz-gelben Koalition.

Einige Menschen meinen ohne Zwang würden die meisten Unternehmen keinen Nutzen sehen und ohne Renditen gäbe es deswegen auch keinen Aktionismus in Richtung CSR-Maßnahmen. Ein weiteres Problem seien die staateneigenen Gesetze, die nur bis zur Grenze des jeweiligen Landes greifen, aber leider nicht wie benötigt, über diese hinaus. Denn die wirtschaftlich-sozialen Probleme, die CSR überhaupt erst hervorgebracht haben, sind nun einmal global. Die globalen Probleme der Nichteinhaltungen von Menschenrechten, spiegeln letztlich die nationalen Grenzen von Staaten wider, sobald es um die Lösung grenzübergreifender oder globaler Problem gehe. Einer Vielzahl von Staatengemeinschaften und ihren Organisationen wie der UNO und UNICEF sind oft einfach die Hände gebunden.

Der Soziologe und Verwaltungswissenschaftler Holger Backhaus-Maul (im Interview mit enorm, PDF) und andere Menschen, die für die bestehende Freiwilligkeit der Unternehmen plädieren, sagen: Wenn der Staat etwas Sinnvolles tun kann, dann wäre dies staatliche Rahmenbedingen zu schaffen, Belobungen an gesellschaftlich verantwortungsvoll handelnde Unternehmen bekunden sowie gesellschaftliche Qualitätskriterien für gutes Wirtschaften zu formulieren.

Was aber noch wichtiger sein kann, ist die Zivilgesellschaft als organisiertes Gegenüber der Wirtschaft institutionell zu fördern. Eine qualifizierte öffentliche Bildung ist nicht zuletzt eine elementare Voraussetzung für gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften, etwa wenn sie kritische und souveräne Konsumenten hervorbringt. Denn die Zivilgesellschaft, also Verbraucher, Kunden oder Nichtregierungsorganisationen, können wertvolle Beiträge leisten. Um überhaupt erst ein Gegenüber der Wirtschaft sein zu können, müssten sie dabei vom Staat gestärkt werden.

Global tätige Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Verbraucherschutzverbände und -initiativen oder Umweltschutzorganisationen könnten einiges bewirken. Backhaus-Maul plädiere deswegen für eine „intelligente, staatliche Förderung und Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen und Institutionen.“ Denn, so zieht Backhaus-Maul sein Fazit: „Wenn diese Zivilgesellschaft der Wirtschaft auf die Finger schaut und einen kritischen Dialog führt, dann werden die Dilemmata nicht nur wissenschaftlich beobachtet, sondern sogar stellenweise auch bearbeitet.“

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