Abfall, der auffällt

24 Mai Abfall, der auffällt

Eine Rolltreppen-Sofagarnitur, ein Lampenschirm aus wahlweise Toffifee-Schachteln oder SpielkartenSpringschuhe aus Matratzeninnereien…

Upcycling ist zwar nicht neu – erstmals tauchte der Begriff 1994 in einem Interview auf; In Zeiten von massiver Überproduktion und Entsorgungsengpässen nimmt das Prinzip „aus alt mach‘ neu“ jetzt aber erst so richtig Fahrt auf.

Aufwerten statt wegwerfen! Während beim Downcycling ein Produkt zu einem qualitativ schlechteren umgewandelt wird und Recycling meist auf Zerstörung und damit den Wertverlust eines Gegenstands hinausläuft, wird dieser beim Upcycling geradezu veredelt: Aus dem Ausgedienten wird im besten Fall ein noch höherwertigeres, nützlicheres Objekt.

In der Designszene wird dieses nachhaltige Konzept mehr und mehr aufgegriffen. Eine Tasche aus alten LKW-Planen, wie sie die schweizer Firma Freitag schon seit knapp 20 Jahren führt, überzeugt eben nicht nur durch Individualität und Ästhetik, sondern auch durch ihre ressourcenschonende Produktion (Auch wenn LKW-Planen an sich zugegeben nicht gerade öko sind..).

Ein kreativer Upcycling-Ansatz, der neben dem Aspekt Nachhaltigkeit auch noch soziales Engagement zeigt ist der Verein Jack in the Box für Entwicklung innovativer Modelle der Beschäftigungsförderung. 2006 gegründet finden in Köln Langzeitarbeitslose (Ein-Euro-)Jobs, in denen sie Container als Jugendraum oder Studentenatelier auf dem Uni-Campus umbauen. Ihre Möbel aus alten Ölfässern und Obstkisten werden bereits auf Ausstellungen gezeigt.

Gerade in Privathaushalten ist Upcycling nach dem DIY (do it yourself) – Prinzip schwer im Kommen. Produkte aus vermeintlich nicht mehr brauchbaren Materialien selbst herzustellen macht einfach Spaß, vermeidet Abfall und verschafft jeder Einheits-Ikea-Bude eine ganz eigene Note. Das funktioniert übrigens auch in Großraumbüros 😉 In der sinnwerkstatt haben wir alle Arbeitsinseln und unsere Küche aus alten Weinkisten und Sperrmüll-Fundstücken zusammengebastelt. Wer sich für eigene Projekte inspirieren lassen will sollte mal auf dem Blog We-Upcycle vorbei schauen. Gestartet als Blog-Projekt zweier Studentinnen, auf dem einen Monat lang jeden Tag ein Projekt vorgestellt werden sollte, gibt es nun bereits schon 405 teils nützliche, teils irre Ideen zum Nachbauen und Staunen.

Sich an der Natur ein Beispiel nehmen und mehr in Kreisläufen denken, das will auch die zukunftsweisende Cradle-to-Cradle-Produktionsweise (von der Wiege zur Wiege). Ziel ist es ein Produkt so herzustellen, dass ein geschlossener Kreislauf ermöglicht wird: so wandert ein Gegenstand nach seiner Abnutzung statt in den Abfall zurück in einen neuen Produktionkreislauf. Im Idealfall entsteht so gar kein Abfall mehr. Kompostierbare Textilien und essbare Verpackungen gibt es bereits, da darf natürlich auch essbare Unterwäsche nicht fehlen..